„Du weißt gar nicht, wie viel mir das gerade gibt,“ sagte sie leise. Ihre Stimme war ruhig, aber darunter lag etwas Unverstelltes, Rohes.
„Dass du nicht fragst. Nicht analysierst. Dass du einfach… bleibst.“ Sie löste ihre Hand sanft aus seiner. Nicht abrupt. Kein Abbruch. Eher wie ein stilles gleich. Julia drehte sich dem Meer zu und setzte sich langsam in den feuchten Sand, genau dort, wo die erste Welle auslief. Als das kalte Salzwasser ihre Knöchel berührte, zog sie scharf die Luft ein. Nicht vor Kälte – vor dem vertrauten, inneren Ziehen. Das Kribbeln setzte sofort ein. Wie tausend feine Strömungen unter ihrer Haut. Ihre Füße verloren innerhalb von Sekunden jede Spannung, jede feste Kontur. Julia stützte sich mit den Händen im Sand ab, während ihre Beine sich unaufhaltsam veränderten – Knochen, Muskeln, Haut, alles löste sich fließend ineinander auf, als hätte es nie eine andere Form gegeben. Sie konnte nicht mehr aufstehen. Nicht mehr gehen. Und sie versuchte es auch nicht.
Das Türkis schimmerte bereits im letzten Licht der Sonne, als der Fischschwanz vollständig war. Nass, lebendig, kraftvoll. Eine Bewegung, ein leichtes Zucken – und sie wusste, dass sie jetzt nur noch einen Weg hatte: hinaus. Julia atmete tief ein, dann drehte sie den Oberkörper leicht, sah noch einmal zu ihm zurück. Ihr Blick war offen. Verletzlich. Aber frei. „Ab hier… kann ich nicht mehr laufen,“ sagte sie ruhig. Kein Drama. Nur Wahrheit. „Wenn ich jetzt weitergehe, dann nur noch so.“ Eine Welle kam, hob sie leicht an. Sie ließ es zu. Spürte, wie das Meer sie trug, wie es sie nahm, ohne zu fordern. „Ich habe so lange versucht, diesen Teil von mir kleinzuhalten,“ fuhr sie leise fort.
„Ihn wegzudenken. Zu kontrollieren. Weil ich Angst hatte, dass jemand geht, wenn er ihn sieht.“ Sie lächelte schwach. Kein Schutz mehr darin.
„Aber du bist noch da.“ Das Wasser reichte ihr nun bis zur Hüfte, ihr Schwanz bewegte sich ganz selbstverständlich, kraftvoll, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Julia ließ sich weiter hinausziehen, drehte sich halb im Wasser, sodass sie ihn weiterhin sehen konnte. „Das hier ist kein Märchen,“ sagte sie ruhig. „Kein Zaubertrick. Kein Symbol.“ Eine weitere Welle trug sie ein Stück tiefer.
„Das bin ich.“ Für einen Moment blieb sie noch dort, wo Meer und Land sich berührten, wo sie beide Welten sehen konnte. Dann glitt sie weiter hinaus, ließ sich vom Wasser aufnehmen.







